Pressevorführung: „Midsommar“ in Hamburg ✅

Ihr Lieben,

am 30.07.2019 fand im Hamburger Abaton-Kino die Pressevorführung für „Midsommar“ statt. Ich war live dabei und habe eine Rezension für euch!

MIDSOMMAR

Kinostart: 26. September 2019

Mit Hereditary – Das Vermächtnis (2018) wurde Ari Aster einem größeren Publikum bekannt und konnte mit seiner Idee überzeugen. Auch dieses Mal ließ er es sich nicht nehmen selber das Drehbuch zu verfassen und Regie zu führen.

Worum geht es in Midsommar?

Dani (Florence Pugh) und Christian (Jack Reynor) führen eine Beziehung, die stetig durch die komplizierte Familiensituation von ihr belastet wird. Bereits seit längerem spielt Christian mit dem Gedanken einer Trennung. Doch nachdem sich ein tragischer Zwischenfall in Danis Familie ereignet, bleibt das Paar zusammen.

Monate später beschließt Christian auf Einladung seines Kumpels Pelle mit seinen Freunden nach Schweden zu fahren, um die Feierlichkeiten des Mittsommerfestes in dessen Dorf mitzuerleben. Dani beschließt kurzerhand mitzukommen, um sich abzulenken. Vor Ort angekommen, werden sie freundlich von der eigenwilligen Gemeinschaft empfangen und deren Bräuchen näher gebracht. Doch nach und nach zeigt sich, dass diese nicht so unschuldig sind wie gedacht.

Lohnt sich der Film?

Während in Hereditary vor allem die Dunkelheit das Grauen hervorruft, wird in Midsommar die stete Helligkeit zum Schreckenssymbol.

Man wird sofort in die Handlung in die Handlung hereingeworfen, in dem man eine beunruhigte Dani erlebt, die sich Sorgen um ihre Familie macht. Dabei ist stilistisch alles sehr düster und ruhig gehalten. Neben ihren Familienproblemen erfahren wir auch ihre Sorgen in Bezug auf ihre Beziehung und ihre Ängste. Das ganze geschieht in eine winterliche Landschaft eingebettet und ist unheimlich schön inszeniert. Ohne zu wissen wo die Reise hingeht, ahnt man das das Grauen bald auf einen wartet.

Im Fokus der Handlung steht ganz eindeutig die Beziehung zwischen Christian und Dani. Ihr fragiles Verhältnis scheint immer präsent und spürbar. Während Christian nicht weiß, wie er sich richtig verhalten soll, obwohl er innerlich bereits mit Dani abgeschlossen hat, hängt sie sehr an ihm. Durch die vorangegangenen Ereignisse fühlt sie sich isoliert und findet keinen rechten Zugang zum Leben.

Zudem spielt sein Freundeskreis eine große Rolle. In ihm finden wir die klassischen stereotypen Charaktere. Josh ist der strebsame Student, dessen Gedanken nur um seine Abschlussarbeit kreisen. Mark ist der Sprücheklopfer, der sich eher für die Frauenwelt interessiert. Pelle ist der lebenserfahrene Schwede, der für jeden ein offenes Ohr hat.

Während in den USA alle Aufnahmen sehr düster gehalten sind, klärt sich der Eindruck mit der Reise schnell auf. Wir erleben ein beruhigendes, wunderschönes Schweden mit einer Vielzahl von verspielten Kamerafahrten. Man bekommt sehr schnell den Eindruck mit dieser Reise alle Sorgen vergessen zu können. Mit dem Eintritt in diese unbekümmert erscheinende Landschaft setzt sich der Fokus komplett anders.

Spannend ist vor allem das Betreten des Dorfes, welches voller Harmonie und Unschuld inszeniert ist. Alle Bewohner begrüßen die Gäste mit offenen Armen und singen einheitlich gekleidet ihre Lieder oder inszenieren Spiele. Es wird schnell deutlich wie wichtig ihnen das Mittsommerfest ist und wieviel Freude sie daran haben.

Trotz der freundlichen Aufnahme in die Gemeinschaft wirkt alles zu perfekt und befremdlich. Schnell bekommt man den Eindruck in einer Art Sekte gelandet zu sein und wundert sich warum die Amerikaner nicht den gleichen Eindruck gewinnen. Während die Sonne stetig auf die gepflegten Wiesen und Häuser scheint, macht sich eine dunkle Vorahnung breit. Diese wird einem anteilig genommen durch die offenen Erklärung von Pelle und anderer Gemeinschaftsmitglieder.

Es ist spannend zu sehen wieviel foreshadowing Aster bereits mit den ersten Szenen betreibt. Allein die Einrichtung von Danis Wohnung greift viele Elemente auf, die später relevant für die Handlung werden. Die erzählten Geschichten oder Wandbilder weisen dem Zuschauer langsam aber direkt den Weg. Immer wieder wird einem ein Krümel der nahenden Zukunft hingeworfen. Jedoch möchte man sie zu gegebenen Zeiten selber nicht wahrnehmen.

Neben dem dargestellten Folklore-Charakter erinnern viele harmonische Momente auch an die Zeit der 1970er Jahre dank des regulären Konsums von Drogen, die den Einklang mit der Natur weiter unterstützen sollen. Es gibt schon ein verspieltes Bild ab, wenn die einheitlich gekleideten Frauen zu ihren eigenen Gesängen Hand in Hand in der Gruppe tanzen und lachen, während ihre Häupter mit selbst gemachten Blumenkronen geschmückt sind.

Eingebettet in diese perfekte Balance zeigt sich immer wieder der wahre Charakter der Dorfgemeinschaft und erklärt das alltägliche Grauen zu normalen Riten ihres Alltags. Spätestens ab der ersten großen Mittsommer-Veranstaltung zur Feier der Ältesten wird deutlich, wie sehr alle von ihrem Glauben überzeugt sind. Das fehlende Handeln der Hauptcharaktere und ihr lässiger Umgang damit sind schwer zu akzeptieren und lassen wenig Sympathie für sie aufkommen.

Die Geschichte ist sehr unterhaltsam und vor allem sehenswert inszeniert. Die Kulissen sind mit Bedacht gewählt und vermitteln glaubhaft das Bild der skandinavischen Natur. Jegliche Kostüme und Ausstattung bestechen vor allem durch ihre Liebe zum Detail. Untermalt wird das ganze von perfekten und gerne auch verspielten Kameraaufnahmen, die immer etwas zu bedeuten haben.

Das Grauen geht einem unter die Haut und lässt einen bis zum Ende mitfiebern. Neben den Geheimnissen des Dorfes ist Dani und ihre psychische Entwicklung der Meilenstein des Films. Es ist spannend zu sehen, wie sie eingebettet in dieses Grauen ihren Lebensmut wiederfindet und sich neu kennenlernt.

Fazit

Insgesamt betrachtet weiß der Film sehr gut zu unterhalten und erzählt trotz der Länge kurzweilig seine Geschichte. Dabei ist die Handlung weniger überraschend als ihre gelungene Umsetzung. Die gelieferten Bilder überzeugen auf ganzer Linie und erinnern oftmals an Wicker Man oder Hereditary. Diesen Eindruck wird man auch bis zum Ende nicht los. Als psychischer Horrorfilm, der unter die Haut geht, überzeugt er stetig und regt zum Grübeln an.

8/10 Punkte